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FAUSTLOS
für gewaltfreie Konfliktlösungen

Sicheres Heidelberg e.V. unterstützt Präventionsprogramm an Heidelberger Grundschulen

Die Lehrerin zeigt den Kindern ein großes Foto. Zu sehen ist Jonas. Seine Stirn ist gerunzelt, die Hände sind zu Fäusten geballt. Jonas ist zornig und wütend. Es sieht so aus, als ob er gleich losschlagen will. Zwischen der Lehrerin und den Kindern entsteht ein lebhaftes Gespräch. Dann werden die Kinder aufgefordert: „Zeigt mal, wie es ist, wenn Ihr wütend seid“. In einer weiteren Stunde wird über das Foto diskutiert, das Tim und Anke zeigt. Anke ist eifrig beim Malen, Tim sitzt angespannt neben ihr. Was in ihm wohl vorgeht?

Diese Unterrichtsstunden, die mit den Fotos von Jonas, Anke und Tim beginnen, sind Teil von FAUSTLOS, einem Programm zur Vorbeugung aggressiven Verhaltens bei Kindern. Es wurde unter Leitung von Prof. Dr. Manfred Cierpka entwickelt, der seit 1998 Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg ist. Seit 2001 wird FAUSTLOS vom Heidelberger Präventionszentrum in ganz Deutschland angeboten.

Jede Lektion besteht aus einem Vorbereitungsteil, einem Abschnitt zum Unterrichten der Lektion mit Fotos, einer Geschichte und Diskussionsfragen und wird abgeschlossen mit Rollenspielen und einer Übertragung des Gelernten, um so die neuen Kompetenzen der Kinder zu vertiefen. Sämtliche Lerneinheiten bauen systematisch aufeinander auf.

Insgesamt will FAUSTLOS den Kindern Kompetenzen in drei Kernbereichen vermitteln:
So sollen die Kinder durch FAUSTLOS erkennen, was ein anderer Mensch fühlt. Sie sollen sich in andere hineindenken und hineinfühlen lernen, um so gefühlsmäßig auf einen anderen Menschen eingehen zu können (Einheit: „Empathieförderung“).
In einer zweiten Einheit sollen sie lernen, ihre Impulse zu kontrollieren und vor allem Probleme auf eine positive und konstruktive Art zu lösen (Einheit: „Impulskontrolle“). Zudem ist es Ziel, dass die Kinder Anzeichen von Wut und Ärger bei sich selbst und anderen erkennen lernen. Aggressives Verhalten soll verringert bzw. verhindert werden, indem den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, sich darüber bewusst zu werden, was den Ärger ausgelöst hat, und indem ihnen unter anderem auch Beruhigungstechniken an die Hand gegeben werden, die es ihnen ermöglichen sollen, mit eigenen Ärgerimpulsen besser fertig zu werden (Einheit: „Umgang mit Ärger und Wut“).

Studien haben ergeben, dass 15 Prozent der Kinder in „Täter-Opfer“-Konflikte verwickelt sind, und jedes zehnte Kind von Gleichaltrigen verfolgt und attackiert wird. Zudem gibt es in fast jeder Gruppe Kinder, die durch extrem aggressives und impulsives Verhalten auffallen. Diese Kinder werden von Gleichaltrigen meist zurückgewiesen. Die Folge ist, dass die abgelehnten Kinder die anderen herausfordern und sich häufig mit ihnen prügeln. Das aggressive Verhalten zieht sich durch ihr ganzes Leben. Wenn sie selbst Eltern werden, setzt sich die Gewalttätigkeit häufig fort. Während über aggressive Kinder schon seit langem geforscht wird, ist die Notlage von Kindern, die von ihren Altersgenossen unterdrückt werden, bisher noch zu wenig beachtet worden. Diese Kinder haben ein niedriges Selbstwertgefühl, sie haben keinen Erfolg in der Schule und ziehen sich zurück. Prof. Cierpka betont, dass sich das Programm FAUSTLOS zur Vorbeugung von Gewalt an Schulen an alle Kinder einer Klasse richtet, so dass mögliche Täter und mögliche Opfer einen Nutzen davon haben und niemand diskriminiert wird.

FAUSTLOS ist bislang einmalig in Deutschland. Es ist die deutsche Version des in den USA für Kindergärten und Schulen entwickelten Konzepts „Second Step“. Das Programm hat das Ziel, impulsives und aggressives Verhalten von drei- bis zehnjährigen Kindern zu vermindern und ihr soziales Verhalten zu verstärken. Das auf deutsche Verhältnisse übertragene FAUSTLOS-Curriculum wurde in einer Pilotphase an Göttinger Kindergärten und später in einer groß angelegten Evaluationsstudie in Heidelberg und Mannheim mit positiven Ergebnissen überprüft.

Mittlerweile kommt FAUSTLOS an über 7500 Grundschulen und Kindertageseinrichtungen deutschlandweit zum Einsatz. Etwa 24 000 LehrerInnen und Erzieherinnen haben an einer Fortbildung des Heidelberger Präventionszentrums teilgenommen.

Der Verein Sicheres Heidelberg –SicherHeid- e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, FAUSTLOS in Heidelberg weiter zu verbreiten. Als Zielgruppe stehen die Heidelberger Grundschulen auf dem Plan des Vorhabens.

Dazu wird in einer ersten Phase die Fortbildung für die Lehrkräfte der Kurpfalzschule, der Pestalozzischule und der Geschwister-Scholl-Schule finanziert. Über die Kooperation mit dem Kinder- und Jugendamt der Stadt Heidelberg ist auch die Schulsozialarbeit in das Programm mit eingebunden, um auch hier die Inhalte von FAUSTLOS fest in den Schulalltag zu verankern. Die wichtige und von den Schulen begrüßte Einbindung der Elternschaft erfolgt durch die Teilnahme von Elternvertretern an der Fortbildung. Darüber hinaus befasst sich der Verein mit der Frage, allen interessierten Eltern der betreffenden Schulen die Inhalte von FAUSTLOS nahe zu bringen. Die vom Heidelberger Präventionszentrum bereits konzipierte „Elternschule“ könnte deshalb der nächste folgerichtige Schritt sein.

Die Unterstützung von FAUSTLOS ist für den Verein Sicheres Heidelberg –SicherHeid- e.V. ein weiterer Baustein zur Gewaltprävention für Heidelberger Kinder, der die städtischen und schulischen Angebote ergänzt. Mit den drei Schulen in den Stadtteilen Kirchheim und Rohrbach im Jahr 2008 war der Anfang gemacht. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde beschlossen, das Programm weiter zu fördern, so dass Anfang 2009 weitere fünf Heidelberger Grundschulen in den Genuss der Fortbildung kamen.
SicherHeid e.V. hat damit dafür gesorgt, dass über die Hälfte der Grundschulen nunmehr mit dem Programm arbeitet. Um eine Nachhaltigkeit zu gewährleisten, werden alle Schulen auf die nächsten Jahre unterstützt.


>> Nähere Informationen zu FAUSTLOS finden Sie hier

>> Das ganze Programm des Heidelberger Präventionszentrums gibt es hier


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Der Heidelberger Präventionspreis nach dem wiederkehrenden Motto "Heidelberg macht Mut!" steht in diesem Jahr unter dem Titel "Kulturelle Vielfalt und Prävention".
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