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Bewegtbilder, die bewegen

Noch heute bekommt Tino Latzko Gänsehaut, wenn er an jenen Tag vor zehn Jahren denkt: Erstmals sendet sein animierter Adler einen kampfbereiten Schrei hinaus ins Eisstadion – und Tausende Fans der Mannheimer Adler jubeln. Latzko feierte damals gerade bei Rock am Ring, als der Anruf kam, ob er einen 3D-Adler animieren könne. Er sagte „ja“. „Das war ein Horror. Ich hatte vorher noch nie Charakteranimation gemacht, und die Technik war noch nicht so weit.“ Heute lacht er darüber. Bei aller Selbstkritik: Er animierte den Adler (Bild rechts) – und liefert auch heute die Videos, mit denen das Eishockey-Team seine Fans vor den Heimspielen aufpeitscht.
Mit seinem Partner Peter Hartung führt Tino Latzko die Firma Screenday Productions in Neustadt, ein Studio für Motionpictures und Interaktive Medien. Sie erstellen die Adler-Trailer, von der Idee bis zum fertigen Film. Die Produktionen werden Jahr für Jahr aufwendiger, teilweise hatten sie Stuntmen im Einsatz, auch Drohnen. „Die Arbeit für die Adler? Das ist unser Baby“, sagt Latzko. „Das Gefühl in der Arena, wenn der Film zum ersten Mal läuft, dafür arbeiten wir.“ So eine Bühne habe man schließlich nicht oft. Gerade jetzt, wo die Adler den Deutschen Meistertitel geholt haben. „Überragend!“
„Es motiviert einfach unglaublich, wenn man im Block steht und so was Geiles anschaut“, schreibt ein Eishockey-Fan bei YouTube unter den Trailer der Saison 2014/2015, bei dem Screenday auch Archivmaterial des ersten Meistertitels 1980 eingebaut hat und mit feierlicher Musik auf Emotionen setzt. „Super! Episch, Gänsehaut, super Sound. So eine Ankündigung haben unsere Jungs verdient“, lobt ein anderer Fan einen älteren Trailer bei Facebook. Es gibt viele begeisterte Zuschauer. Aber es finden sich auch kritische Anmerkungen: Auf einen Aufruf der Adler hin, dass Screenday Fans als „Schauspieler“ für den nächsten Dreh sucht, schreibt ein Nutzer: „Also können wir uns auch in diesem Jahr wieder über einen Trailer freuen, der von Computeranimationen überflutet ist und erneut aus gespielten Emotionen besteht.“
Das Wort „Emotionen“ nutzen Latzko und Hartung oft. Ihnen ist wichtig, den Zuschauer, den Internetnutzer zu berühren. 2008 haben sie Screenday Productions gegründet. Sie wollen den Grenzen klassischer Bewegtbilder etwas entgegensetzen: mit 3D-Visualisierung, Computeranimationen, Special Effects. Sie erstellen Videos, Webapplikationen, ausgefallene Internetpräsenzen, Architekturvisualisierungen, und sie entwickeln eigene Software für ihre Projekte. Sie liefern auch Spezialeffekte für Filmproduktionen. „Wir bekommen das Filmmaterial. Die Macher wollen, dass ein UFO durch die Szene fliegt? Machen wir!“

„Ich wollte immer weiterkommen, abgefahrene Projekte machen“, sagt Peter Hartung. Bei einem Job lernte er Tino Latzko kennen. Die beiden Männer merkten, dass sie ähnliche Ziele haben und die nötige Portion Mut. Sie beschreiben sich als „Bewegtbild-Spezialist“ (Latzko) und „Interactive-Media-Pionier“ (Hartung). Aber auch als „kreative Querdenker“, als „Qualitätsfanatiker“, „Antreiber und Macher“. Beide arbeiten an den Konzepten. Wenn es an die Umsetzung geht, ist Hartung eher für den technischen Bereich zuständig, Latzko übernimmt stärker das Künstlerische, den Bereich Bewegtbild. Sie haben eine Mitarbeiterin im Büro, beauftragen ansonsten Freelancer – mit vielen von ihnen arbeiten sie seit Jahren zusammen.
Mit ihren Projekten räumen die Männer regelmäßig Branchen-Preise ab. Gerade sind sie mit einer Webseite, die sie für den Fußballer Kevin Prince Boateng erstellt haben, für den German Design Award nominiert. Im Schreiben des Rats für Formgebung, der die Auszeichnung vergibt, heißt es: „Ihre besondere Gestaltungskompetenz ist uns aufgefallen. Sie hat das Potenzial, einen der führenden internationalen Designpreise zu gewinnen.“ Im vergangenen Jahr haben die Männer für die Webseite beispielsweise schon den Red Dot Design Award des Design Zentrums NRW abgeräumt.
Fast ein Jahr haben Hartung, Latzko und ihr Team daran gearbeitet. Klar war: „Boateng will keine normale Webseite haben.“ Hartung und Latzko bescheren dem Fußballfan ein Online-Abenteuer: Er besucht Boatengs virtuelle Villa und lernt den Sportler beim Gang durchs Gebäude aus verschiedenen Perspektiven kennen. Überall sind Informationen, Webfilme, Bilder versteckt. Damit der Besucher Boateng durch die Villa begleiten kann, hat Screenday Greenscreen-Aufnahmen mit ihm gedreht. Die Videos haben Latzko und Hartung anschließend für die virtuelle 360-Grad-Welt aufbereitet: Der Fußballstar kocht beispielsweise, spielt Klavier, liegt vor dem Fernseher. Wie war sie, die Arbeit mit Boateng? „Total unkompliziert. Er hat uns machen lassen.“
Eine Eigenschaft, die Latzko und Hartung an Auftraggebern schätzen: vor allem, wenn es stressig wird – wie bei einem Trailer zur Saisoneröffnung im Europa-Park in Rust. Montag bis Donnerstag hatte das Team Zeit, allerdings waren auch die Park-Mitarbeiter noch inmitten der Vorbereitungsarbeiten. „Überall standen Bagger herum, die Becken waren noch nicht mit Wasser gefüllt“, erzählen sie. Montags starteten sie bei Null. Ihre Bedingung: Gestaltungsfreiräume. Als Donnerstag die Presse zur Tür hereinkam, war der Film fertig. „Punktlandung.“ Unter den passenden Bedingungen mache ihnen der Zeitdruck nichts aus.
Ein halbes Jahr haben sie in ein anderes Projekt investiert: einen Messefilm für eine russische Lampenfirma, gemeinsam mit einer Heidelberger Agentur. Darin erzählen sie die Geschichte der Entstehung des Lichts – mit 3D-Sets, aber auch mit Schauspielern. Ein animierter Tiefseefisch schwimmt durchs Bild, Flugzeuge und Schnellzüge huschen über den Monitor. Auch das Feuer, um das sich die Neandertaler – Darsteller mit aufwendig produzierten Masken – versammelt haben, entstammt der 3D-Technik. Hier verschmelzen der klassische Film und neueste technische Möglichkeiten. Zu ihren Auftraggebern gehören die Baumarktkette Bauhaus, der 1. FC Kaiserslautern, die Eichbaum-Brauerei. Ein aktuelles Projekt: Werbefilme für Karamalz, eine kleine Serie, die Heldengeschichten erzählt – teils real gefilmt, teils animiert.
Es läuft gut für Screenday. Aber es gab auch Durststrecken. Tino Latzko redet nicht lange drum herum: „2013 war kein gutes Jahr.“ Sie hatten mit großen Problemen zu kämpfen – was die Technik angeht, auch das Personal. So kam eines aufs andere. „Das ging an die Substanz“, sagt Hartung. Aber: „Aufgeben wäre langweilig.“ Dass sie sich durchgebissen haben, hat sich ausgezahlt.
Tino Latzko ist in Germersheim geboren. Der 40-Jährige hat Schriftsetzer gelernt, wurde dann Mediengestalter. Er arbeitete in Frankfurt als Freelancer und absolvierte nebenher ein Privatstudium: Digitaler Film. Gemeinsam mit einem Partner gründete er 2005 die Artell Kreativagentur in Speyer. Dann kam Screenday. Zunächst in Speyer, dann zogen sie nach Neustadt. Auch Mannheim war im Gespräch. Aber: „Hier haben wir ein bisschen mehr Rückzugsmöglichkeiten, der Job ist schon so stressig genug.“ Außerdem sind beide Herzblutpfälzer.
Dabei ist Peter Hartung in Mannheim geboren. Erst als er um die 30 war, zog er in die Pfalz. Er lernte Fernmelder, bildete sich zum Netzwerk- und Softwareentwickler weiter, gründete später mit Partnern zwei Werbeagenturen.
Latzko wohnt in Hambach und gärtnert auf dem Balkon, sein Kollege auf einem 700-Quadratmeter-Grundstück in Neustadt. Ausgleich ist ihnen wichtig. „Überall die Technik, alles digitalisiert. Wir müssen auch mal weg vom Rechner“, findet Latzko. Beide machen Musik. Während Hartung seine Freizeit gern auf dem Motorrad verbringt oder Tischtennis spielt, geht Latzko surfen: „Ein bis zweimal im Jahr muss ich weg und den ganzen Kram hinter mir lassen.“
Gerade ziehen sie innerhalb Neustadts um, unter anderem, weil sie sich technisch vergrößern. Dann wollen sie einen Azubi zum Mediengestalter einstellen, Latzko und Hartung sind außerdem ständig auf der Suche nach kreativen Köpfen für ihre Projekte, aktuell etwa nach einem Programmierer. Über Geld, über Umsatz und Preise, reden die beiden nicht. Viel lieber über ihre Arbeit. „Es rattert immer im Kopf“, so Hartung. „Selbst beim Spaziergang durch den Weinberg.“ Und auch Latzko sagt: „Der einzige Platz, an dem mein Kopf komplett frei ist, ist auf dem Wasser. Da denke ich an gar nichts. Nur an Wellen.“ Aber: „Ich liebe das, was ich mache. Viele verstehen das nicht, wenn man Nächte durcharbeitet.“ Sie aber wollen so weitermachen, ihrem Stil treu bleiben. Was sie dafür besonders brauchen: Freiräume.

(Anne-Kathrin Jeschke, Animation: Screenday Productions)

 EXKLUSIV IN ECONO
Titel 03.16

Econo berichtet dieses Mal EXKLUSIV über:

Ansporn - Luka Mucic, Vorstandsvorsitzender des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar, setzt bei der Digitalisierung auf eine noch engere Vernetzung der Akteure

Weitere Themen:

  • Energie & Umwelt
  • Human Resources


Die nächste Ausgabe 04/16 erscheint am  14. Oktober 2016
         
Anzeigenschluss ist am 23. September 2016



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Wirtschaftsmagazin econo - regionale Nachrichten für Rhein-Neckar - Mannheim - Heidelberg - Pfalz - Main-Tauber / Stand: 26. September 2016 Kontakt / Impressum