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Wege aus dem Elfenbeinturm
Skylla und Charybdis lauern noch heute. Während in der Antike Seefahrer jener mythischen Ungeheuer zu beiden Seiten der Straße von Messina wegen fürchteten, die Passage könne ihr Leben kosten, muss das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auch im 21. Jahrhundert einem sorgsam ersonnenen Kurs folgen, um nicht einem Extrem anheimzufallen: „Das ZEW sollte sich weder zum akademischen Glasperlenspiel verführen lassen, noch zum reinen Consulting-Unternehmen werden“, mahnt Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Mitgliedsinstituts der Leibniz-Gemeinschaft, indem er besagten Vergleich bemüht. „Bisher ist dieser anspruchsvolle Balanceakt hervorragend gemeistert worden. Und vieles spricht dafür, dass dies auch in den kommenden 25 Jahren gelingen wird“, ist Franz überzeugt. Er spricht aus Erfahrung: Von 1997 bis 2013 hat er selbst das Haus geleitet.

„Das ZEW forscht seit 25 Jahren auf höchstem Niveau. Zugleich will es beraten, helfen und gestalten. Diese Mischung aus Exzellenz und Öffentlichkeitsorientierung ist etwas ganz Besonderes“, attestiert die Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Theresia Bauer, in ihrem Grußwort bei der Jubiläumsveranstaltung in Mannheim. Rund 300 Gäste, darunter Freunde, Förderer, Wegbegleiter, Ehemalige und Partner des Forschungsinstituts, sind der Einladung der Geschäftsführung des ZEW gefolgt, ein Vierteljahrhundert herausragender Forschung und Beratung zu feiern.

Das unabhängige Institut stehe für „klaren Verstand und kühlen Kopf“, erläutert Bauer, die auch den Vorsitz im Aufsichtsrat des ZEW innehat, weiter. In Zeiten, in denen der Begriff „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gewählt werde, hätten diese aktuell „nicht gerade Hochkonjunktur, blickt sie sie etwa auf die jüngsten Entwicklungen in der Türkei, Großbritannien und den USA. Gleichzeitig fordert die Ministerin, das ZEW müsse sich noch stärker als bisher in politische Diskussionen einbringen, um noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, „und zwar deutlich, unüberhörbar, relevant und zukunftsweisend“.

Auf Initiative der Landesregierung von Baden-Württemberg, der Wirtschaft des Landes und der Universität Mannheim im Jahr 1990 gegründet, nahm das ZEW 1991 seine Arbeit auf. Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern war unter der Leitung der Direktoren Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz König und Ernst-O. Schulze angetreten, ihren Beitrag zur Etablierung der empirischen Wirtschaftsforschung in Deutschland zu leisten.
Heute arbeiten rund 190 Experten in neun Forschungseinheiten, unterstützt von rund 100 wissenschaftlichen Hilfskräften, daran, den Gründungsauftrag des ZEW umzusetzen: Sie betreiben nach dem Selbstverständnis des Hauses „praxisrelevante Spitzenforschung, bilden junge Nachwuchswissenschaftler aus, geben wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft und tragen Forschungsergebnisse über die Scientific Community hinaus in die Öffentlichkeit“. Ganz gleich, ob die EU Steueroasen trocken legen will oder die Bundesregierung die Auswirkungen der Energiewende abschätzen muss, geben die Experten in Gutachten, Ausschüssen oder Stellungnahmen Rat.

ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, Ph.D., betont in seiner Begrüßung, dass dem ZEW von Anfang an eine internationale und vor allem europäische Ausrichtung mit auf den Weg gegeben worden sei. „Unser Institutsname verpflichtet uns, zu Fragen von europäischer und globaler Reichweite zu forschen. Dies ist mit Blick auf drängende Probleme wie beispielsweise den Brexit, die nach wie vor ungelöste Schuldenkrise im Euroraum oder den Flüchtlingsstrom nach Europa wichtiger denn je“, führt Wambach aus, der im April 2016 Prof. Dr. Clemens Fuest abgelöst hat.

„Das ZEW hat sich bei Projektausschreibungen auf EU-Ebene sowie national über die vergangenen Jahre hinweg eine starke Stellung erarbeitet,“ sagt der kaufmännische Direktor des Instituts, Thomas Kohl. Im Geschäftsjahr 2016 verfügte das Institut über ein Gesamtbudget von rund 21 Millionen Euro. Rund 46 Prozent davon machten eingeworbene Drittmittel aus, wobei Kohl zufolge insbesondere die EU-Institutionen als Auftraggeber eine beachtliche Rolle spielen.
In ihren folgenden Grußworten würdigen Dr. Alexander Selent, Vorsitzender des Förderkreises Wissenschaft und Praxis am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, und Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden, Rektor der Universität Mannheim, die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem ZEW.

Der zweite Teil der Festveranstaltung ist, wie es sich für eine Forschungseinrichtung von Rang gehört, dem zentralen wirtschaftspolitischen Thema des weltweiten Rückgangs des Produktivitätswachstums gewidmet. Mehrere Fachvorträge von Forschungsbereichsleiterinnen und -leitern des ZEW und eine abschließende Diskussion beschäftigen sich mit dem Thema Produktivität unter den Aspekten Wachstum, Wettbewerb und Digitalisierung.

„Mikrodaten sind für die Wirtschaftsforschung, was Kernreaktoren und Teilchenbeschleuniger für die Atomindustrie bedeuten“, unterstreicht Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. Der Experte beklagt einen „massiven Rückgang der Gründungsraten“. Das Mannheimer Gründungspanel (von 2008 bis 2014 KfW/ZEW-Gründungspanel) konstatiert einen absteigenden Trend seit Mitte der 1990er Jahre. Dies allein ist laut Licht zwar noch keine Erklärung für ein niedrigeres Produktivitätswachstum, aber ein wesentlicher Faktor.

Auf die Bedeutung des Konkurrenzdrucks legt Prof. Dr. Kai Hüschelrath, Leiter der ZEW-Forschungsgruppe „Wettbewerb und Regulierung“ das Hauptaugenmerk. Dieser setze unter anderem Anreize zu verstärkter Produkt- und Prozess-Innovation. Viele Unternehmen scheuten jedoch die damit einhergehende Unsicherheit, zumal Monopolstellungen oder Kartelle meist höhere Gewinne abwürfen. „Die Wettbewerbspolitik“, hält Hüschelrath abschließend fest, „ist nicht schuld am Rückgang des Produktivitätswachstums.“

Einen anderen Blickwinkel bringt Prof. Dr. Irene Bertschek ins Spiel: „47 Prozent des Produktivitätszuwachses im Maschinenbau geht auf Investitionen in IKT zurück“, rechnet die Leiterin des Forschungsbereichs „Informations- und Kommunikationstechnologien“ vor. Die Qualität von Leistungen, die auf der Digitalisierung beruhen – darunter exponentiell steigende Prozessorleistungen – würden bei Erhebungen zum Produktionswachstum „in der Regel nicht adäquat abgebildet“, pflichtet Kollege Licht ihr in der abschließenden Diskussion bei. Messfehler als ein möglicher Erklärungsansatz für das komplexe Phänomen?

Diese und zahlreiche weitere Fragen werden die Forscher des ZEW auch in den kommenden 25 Jahren zuhauf beschäftigen – auf dem von Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Franz beschworenen, heiklen Kurs zwischen Skylla und Charybdis.

(den; Bild: ZEW)

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Wirtschaftsmagazin econo - regionale Nachrichten für Rhein-Neckar - Mannheim - Heidelberg - Pfalz - Main-Tauber / Stand: 27. Juni 2017 Kontakt / Impressum