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Regionen als „Türöffner“
Eine letzte Unterschrift fehlt, dann ist der Vertrag besiegelt. Doch da überschlägt ein Herr aus Deutschland die Beine – und streckt seinem chinesischen Partner unbewusst die staubbedeckte Sohle seines Schuhs entgegen. „Das kann den Deal zum Platzen bringen“, warnt Gerhard Meyer, Geschäftsführender Gesellschafter FALK GmbH & Co KG. An diesem Abend ist das unabhängige Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen mit Sitz in Heidelberg Gastgeber der Jahresauftaktveranstaltung des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW). Die renommierten Gäste machen deutlich, welche Chancen die Globalisierung deutschen Unternehmen bieten. Gleichzeitig zeigen sie, welche Fallstricke bei der Internationalisierung lauern und welche Rolle Regionen bei der Erschließung neuer Märkte zukommt.
Steigender Wettbewerbsdruck, Fachkräftemangel, gesättigter Heimatmarkt: Gerade vor diesem Hintergrund seien Export und Import für hiesige Unternehmen „extrem wichtig“ betont Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr, seit Januar Geschäftsführer Baden-Württemberg International – Gesellschaft für internationale wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit mbH, in seiner Einführung. „Der Mittelstand“, fügt der frühere Landtagsabgeordnete aus Wiesloch hinzu, „bildet hierbei das Rückgrat.“
Aufschwung durch Internationalisierung: Davon kann die Joseph Vögele AG ein Lied singen. 1836 in Mannheim gegründet und 2010 von Neckarau nach Ludwigshafen-Rheingönheim verlagert, ist der Spezialist für Straßenfertiger auf weltweit rund 1200 Mitarbeiter gewachsen. „Allein seit 2000 haben wir unseren Umsatz verfünffacht“, berichtet Dr. Christian Pawlik, Vorstand des Unternehmens, das seit 1996 mehrheitlich der Wirtgen Group gehört. „Heute macht der Export 90 Prozent unserer Geschäfte aus.“ Ein Drittel des Weltmarktes entfalle auf China, auch in Indien sei ein starkes Wachstum zu verzeichnen. „Maschinen zu konzipieren, die auf den chinesischen Markt zugeschnitten sind, ist nur eine wichtige Voraussetzung“, führt Pawlik aus. Ebenso grundlegend sei der enge Austausch mit den Partnern vor Ort, im konkreten Fall: acht Niederlassungen und rund 35 Händler im Reich der Mitte; Tendenz steigend.
„Firmen brauchen ein menschliches Bindeglied, das beide Kulturen kennt“, bekräftigt Gerhard Meyer. „Sonst redet man aneinander vorbei.“ Ein Unternehmer aus der Bundesrepublik dürfe sich nicht wundern, wenn ein chinesischer Partner stolz einen Nachbau des deutschen Produkts präsentiere. Aus dessen traditionellem Verständnis heraus handle es sich keineswegs um ein dreistes Plagiat: „Vielmehr zollt er damit der deutschen Ingenieurskunst Respekt.“
Derweil, so Meyer, gestalte sich die Suche nach geeigneten Zielen umso schwieriger, als sich das Land im Umbruch befinde: „Innerhalb Chinas gibt es ein immer stärkeres Kostengefälle. Deshalb empfehlen wir vielen Unternehmen, sich neben der Ostküste ein zweites Standbein im Landesinneren aufzubauen.“ Nur ein Anhaltspunkt: Wo der Jialing und der Jangtse ineinanderfließen, liegt Chongqing. Mit weit über 30 Millionen Einwohnern im Ballungsgebiet gilt die so manchem Europäer unbekannte Metropole, deren Fläche annähernd der Österreichs entspricht, als eine der größten Städte weltweit. Und sie wächst in rasantem Tempo.
Immer häufiger blicken aber auch chinesische Unternehmen gen Westen. „Mit der Zeit ändern sich die bevorzugten Branchen“, sagt Meyer. Derzeit liege der Fokus etwa auf der Medizintechnologie und auf Lifestyle-Produkten. „Sie brauchen keine Angst zu haben“, ruft Meyer deutschen Unternehmen zu, die beispielsweise einem Joint Venture skeptisch gegenüberstehen. „Wenn die Geschäfte gut laufen, werden sich die Chinesen nicht einmischen.“ Damit die hiesigen Kunden von FALK & Co besser von den Kontakten des Beratungsunternehmens in Fernost profitieren können, gibt es bereits seit fünf Jahren sogenannte China Desks, etwa in Heidelberg und Frankfurt. Für den umgekehrten Fall soll laut Meyer noch in diesem Jahr in China ein German Desk entstehen.
„Alleine schafft es ein Unternehmen nicht, sich zu etablieren“, betont Vögele-Vorstand Pawlik. Nicht zuletzt sei die Hilfe durch Verbände und Kommunen wichtig. Das sieht Kai Schmidt-Eisenlohr ähnlich: „Vor allem den Regionen kommt eine immer größere Bedeutung zu, denen die Internationalisierung besondere Chancen bietet.“ So könne man sich nicht nur austauschen und voneinander lernen, sondern auch gemeinsam Lösungen für ähnliche Probleme suchen.
Als konkretes Beispiel nennt er eine 120 Baden-Württemberger starke Delegationsreise nach Indien vor einigen Wochen. 2015 war eine Länderpartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und dem indischen Bundesstaat Maharashtra vereinbart worden. Ende Januar verkündete Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf seiner Indienreise in der Millionenstadt Pune die Einsetzung von Iris Becker als Repräsentantin Baden-Württembergs. „Wir bereiten das Feld“, resümiert Schmidt-Eisenlohr, Geschäftsführer der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft. „Den Deal müssen die Unternehmen selbst machen.“
Wie entscheidend wirtschaftliche Kooperationen auf kommunaler und regionaler Ebene sind, unterstreicht auch Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner. So seien die Beziehungen zu Tokio, Osaka oder Kyoto mindestens so intensiv wie zur japanischen Partnerstadt Kumamoto. Stolz ist Würzner auch auf die vielen chinesischen Studenten an der Ruprecht-Karls-Universität. „Sie sind wichtige Brückenbauer. Nur durch den Austausch der Kulturen ist es möglich, erfolgreich Handel zu treiben“, unterstreicht Würzner, der zugleich Mitglied im Vorstand des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar (ZMRN) ist. Gerade in China legen die Verantwortlichen Würzner zufolge hohen Wert auf Rückendeckung durch die Politik. „Man muss über viele Jahre Vertrauen aufbauen, sonst geht nichts.“
Auch Dr. Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe und Mitglied im Vorstand der TechnologieRegion Karlsruhe, betont die Bedeutung „kommunaler Türöffner“. Seit rund fünf Jahren pflegen der Landkreis und die südbrasilianische Stadt Brusque im Bundesland Santa Catarina freundschaftliche Beziehungen. Diese fußen auf der gemeinsamen Geschichte: Vor über 150 Jahren wanderten viele Menschen aus der Region aus wirtschaftlicher Not nach Brasilien aus und fanden dort eine neue Heimat. Heute gibt es vielfältige Kooperationen und konkrete Projekte. „Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise gab es Pläne, Einfachhäuser aus Brasilien zu importieren“, erinnert sich Schnaudigel. „Bis jedoch alle bürokratischen Hürden in Deutschland überwunden und DIN-Normen erfüllt waren, hatte sich das Thema erledigt.“

Ob nicht eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Regionen hierzulande für mehr Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit sorgen kann, will Moderator Josef Stumpf, Verbandsbeauftragter des BVMW für die Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) und die TechnologieRegion Karlsruhe (TRK), wissen. „Zweifelsohne“, ist Heidelbergs OB Würzner überzeugt. „MRN und TRK verfügen über eine höhere IT-Dichte als das Silicon Valley. Insbesondere gemeinsam sind sie sehr attraktiv und entfalten eine enorme Strahlkraft.“

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Titel Econo 01/17

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Die nächste Ausgabe 02/17 erscheint am  26. Mai 2017
         
Anzeigenschluss ist am 05. Mai 2017



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Wirtschaftsmagazin econo - regionale Nachrichten für Rhein-Neckar - Mannheim - Heidelberg - Pfalz - Main-Tauber / Stand: 28. März 2017 Kontakt / Impressum